Still schlummern die steinernen Überreste einstiger Hochburgen der Vergangenheit. Ihr Antlitz ist durch die Jahrhunderte unkenntlich geworden. Jetzt wird Vergangenes wieder ans Licht gebracht – mit dem Smartphone als Zeitmaschine.
Klingt utopisch? Muss es nicht. Mixed Reality vermischt unsere Umgebung mit einer weiteren Realität. Wieso also kein Abbild der Vergangenheit dafür nutzen?
Archäologische Rekonstruktionen wollen herausfinden, wie ruinöse Bauwerke einmal ausgesehen haben könnten. Gleichzeitig sind sie gegen eine physische Restaurierung, da diese den geschichtsträchtigen Wert der Ruine beeinträchtigen würde. Die Lösung? Ein virtuelles, dreidimensionales Abbild, dass am besten vor Ort und in voller Grösse bewundert werden kann. Mit Mixed Reality ist solch eine Inszenierung möglich, aber wie umzusetzen?
Meine Thesis baut auf dieser Frage. Schön ausgedrückt beschäftigt sie sich mit der Erforschung der optimalen Umsetzung einer archäologischen Rekonstruktion mittels Mixed Reality. Dafür sucht sie Qualitätskriterien betreffend der User Experience und dem pädagogischen Wert einer Umsetzung mit Literaturrecherchen und Experteninterviews. Die so entstandene, provisorische Liste wurde anschliessend in drei Nutzanalysen verifiziert. Untersuchungsobjekte dafür waren drei Schweizer Mixed Reality-Attraktionen, die mindestens eine digitale Rekonstruktion vor Ort präsentierten. Dabei wurde der Einflussgrad jedes Kriteriums erfasst. Die Ergebnisse zeigen sich in einer finalen Anforderungsliste, die zur Bewertung bestehender oder zur Entwicklung neuer Applikationen genutzt werden kann.
Theoretisch alles schön und gut, doch wie sieht die praktische Umsetzung aus?
Hier kommt mein Praxisprojekt zum Zug. Mit dem erworbenen Wissen um eine gelungene Umsetzung machte ich mich an die Kreation meiner eigenen Mixed Reality-Inszenierung einer archäologischen Rekonstruktion. Die Ruine Anwil in Buhwil sollte ein digitales Make-Over erhalten. Sie thront seit ca. 800 Jahren auf einem Hügel unweit meines Kindheitshauses. Vertiefte Recherchen, Gespräche mit Archäologen, Skizzierungen, Modellierungen und unzählige Testversuche führten zur Entwicklung einer Android-App. Mit dieser können neben der Rekonstruktion vier Stationen, die mehr über den ehemaligen Wohnturm und zu dem damaligen Leben erzählen, entdeckt werden. So wird ein Stück Vergangenheit mit einer neuen Technologie wieder zum Leben erweckt.
Das sieht dann in etwa so aus:
Keine Lust zu lesen? Hier eine kurze, filmische Zusammenfassung meiner Bachelor-Arbeit:
User mit Android-Smartphones können die Zeitfenster Ruine Anwil-App auch gleich selbst downloaden und testen.
Achtung: Die App läuft nur auf unterstützen Handys optimal.